„Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind." (Linus Pauling)

Dieser Begriff - Orthomolekulare Medizin - bedarf einer Erläuterung. Er stammt aus dem Griechischen: » orthos « bedeutet soviel wie » gut-richtig « und Lateinischen: » molecula « das betrifft die Moleküle als kleinste Bauteile von Substanzen. Dementsprechend handelt es sich bei der Orthomolekularen Medizin um eine Therapie mit den richtigen Molekülen in richtigen Mengen. Diese Moleküle sind in den ganz natürlichen Nährstoffen enthalten, auf deren regelmässige und ausreichende Zufuhr unser Körper angewiesen ist.

Jeder Körper hat einen angeborenen Bedarf an lebenswichtigen Nährstoffen wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, essentielle Fett- und Aminosäuren, der gedeckt werden muss, damit er gesund bleibt, oder von einer Krankheit geheilt werden kann. Orthomolekulare Nährstoffe sind körperfreundliche Nährstoffe. Sie dienen zur Krankheitsvorsorge wie auch zur Einleitung von Therapien. Orthomolekulare Nährstoffe sind wenn möglich zu bevorzugen, da die Symptommittel meist körperfremd sind und nur Schmerzen und Beschwerden beheben, aber nicht die Ursache der Krankheit, welche bestehen bleibt. Bei der Behandlung von Krankheiten wird in der Orthomolekularen Medizin nicht nach Arzneimittel gesucht, welche Symptome beseitigen, sondern nach Mitteln, welche die Ursachen der Krankheiten zu beheben vermögen.

Bei allen Krankheiten kann eine Stärkung des Organismus und eine Linderung der Beschwerden erzielt werden. Da jede Krankheit und jeder Unfall eine Stresssituation darstellen, verbunden mit grossem Nachholbedarf an Nährstoffen, kann die Orthomolekulare Medizin bei jeder Krankheit Nutzen bringen. Nährstoffsupplemente sollen nicht abgesetzt werden, weil der Patient schon „so viel (körperfremde) Medikamente" einnimmt! Im Gegenteil, gezielt eingesetzte Nährstoffe werden die Wirkung aller Arzneimittel unterstützen und den Körper auch gegen mögliche unerwünschte Nebenwirkungen schützen.

Im Unterschied zu gewissen anderen Pharmaka, tritt bei orthomolekularen Nährstoffen die Wirkung nicht innerhalb von Minuten oder Stunden ein. Es geht in der Regel darum, ein leergewordenes Reservoir wieder aufzufüllen, beziehungsweise Mangelzustände oder erhöhte Werte zu korrigieren. Diese Korrekturen erfordern in der Regel mehrere Monate, im Idealfall 2-3 Monate, oft aber auch länger als 1 Jahr. Selbst wenn die Beschwerden nicht so rasch verschwinden, steigt das allgemeine Wohlbefinden. Schon nach kurzer Zeit steigt die Zuversicht, was an sich schon heilungsfördernd ist: Der Patient fühlt, dass es seinem ganzen Körper besser geht, und wenn die Heilung eingetreten ist, sind die Patienten nicht nur beschwerdefrei, sondern fühlen Lebensfreude, sie spüren den Unterschied gegenüber früher als ein „Gesundsein", statt bloß „Beschwerdefrei sein".

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bei Zivilisations- und Stoffwechselkrankheiten auf allen Altersgruppen Nährstoffmangel meist eine entscheidende Rolle spielt.

In den letzten 30 Jahren hat sich das Lebensmittel - Angebot explosiv vergrössert. Immer mehr industriell gefertigte, naturentfremdete Nahrung wird auf dem Markt angeboten. Um die Nahrung auch für lange Transportwege haltbar zu machen und um sie dem Konsumenten möglichst attraktiv und verführerisch anbieten zu können, wird eine Vielzahl an Lebensmittelzusatzstoffen wie Konservierungsmittel, Aromastoffe, Farbstoffe, Emulgatoren, Pöckelsalze usw. verwendet. Eine Studie hat ergeben, dass wir jährlich etwa 2,5 bis 3 kg solcher Zusatzstoffe mitverzehren.

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass viele solche Lebensmittelzusätze nicht mehr tolerieren und vertragen können. In dem nur wenige Jahrzehnte umfassenden Zeitraum der Industrialisierung konnte der menschliche Stoffwechsel keine Mechanismen entwickeln, um sich den rasanten qualitativen und quantitativen Veränderungen der Lebensmittel anzupassen, wie sie sich v.a. durch Massentierhaltung, Intensivlandbau und neue Lebensmitteltechnologien ergeben haben. Neben dieser sehr bedauerlichen Tatsache, dass unsere Lebensmittel von den für uns belastbaren ( schädlichen ) Substanzen zu viel, und von den von uns benötigten Nährstoffen zu wenig enthält, ist unsere Vitalstoffversorgung durch andere Umstände auch gefährdet. Das sind die durch Industrialisierung und Technisierung verursachte erhöhte Lärmpegel, Stress am Arbeitsplatz sowie erhöhte Umweltbelastung und selbstverursachte Belastungen durch Rauchen und übermässigen Alkoholkonsum.

Alle diese physischen-, psychischen- und Umweltbelastungen beeinflussen neben anderen schädlichen Wirkungen den Nährstoffhaushalt des Organismus negativ, und führen zu Mangelsituationen bei Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen.

Vor allem haben wir einen überhöhten Bedarf an körpereigenen Antioxidantien, hervorgerufen durch die Anhäufung freier Radikale. Freie Radikale sind -- vergleichbar mit dem bekannten Wasserstoff - Hyperoxid oder Ozon -- sehr aggressive, sauerstoffhaltige Verbindungen die durch Sonnenlicht (UV-Strahlen) Umweltschadstoffe wie Stickoxide und Ozon, Stress, Rauchen und auch durch Einnahme von vielen Arzneimitteln entstehen. Die freie Radikale reagieren mit allen möglichen Substanzen, auch mit Bestandteilen der Zellen, verändern und zerstören diese.

Die Folgen dessen sind vielfältig. Membranen von Zellen werden durchlässig für Schadstoffe, die das Erbmaterial im Zellkern verändern, so dass Krebs entstehen kann. Bestandteile des Immunsystems werden künftig nicht nur entzündetes, sondern auch gesundes Gewebe angreifen und verursachen dadurch chronische Entzündungen wie zum Beispiel Gelenkrheumatismus. Auch gibt es Beweise dafür, dass freie Radikale verantwortlich sind an der Entstehung so weitverbreiteter Volkskrankheiten wie Artheriosklerose, Bluthochdruck, Allergien, Immunschwäche, hohe Cholesterinwerte, Parkinson- Krankheit und viele andere.

Gegen diese Aggressoren wehrt sich unser Körper mit Enzymsystemen, die zum Teil aus Selen bestehen, sowie mit Hilfe vor allem der Vitamine E und C, B-Carotin, Zink und Bioflavonoiden.

Gemäss ihrer Wirkung bezeichnet man diese Nährstoffe als Radikalenfänger oder Antioxidantien. Sind genügend von ihnen vorhanden, können freie Radikale nicht überhandnehmen, wir bleiben gesund. Mangelt es an ihnen, drohen Erkrankungen verschiedener Art.

Die massive Bildung freier Radikale ist jedoch nicht der einzige Grund für die erforderliche Mehraufnahme von Vitalstoffen. Es wird häufig unterschätzt, dass die aus unserer Nahrung und aus der Luft stammenden Schwermetalle mit essentiellen Spurenelementen in unserem Organismus unlösliche Verbindungen bilden, die zwar einerseits die Entgiftung der giftigen Elemente fördern, andererseits aber die Verfügbarkeit der lebensnotwendigen Spurenelementen für enzymatische Leistungen verringern.

Krankheiten entstehen dadurch, dass unserem Organismus bestimmte Nährstoffe (Vitalstoffe wie z.B. Vitamine und Spurenelemente) in zu geringen, andere (z.B. raffinierte Kohlenhydrate und gesättigte Fettsäuren) in zu hohen Mengen zugefügt werden. Darüber hinaus zerstören weitere Faktoren wie z.B. Umweltgifte, Unverträglichkeit gegenüber Nahrungsmittelzusatzstoffe und Stress unseren sowieso gestörten Nährstoffhaushalt. Das Ergebnis ist eine ständige Verarmung unseres Organismus an lebensnotwendigen Nährstoffen.

Richtig ausgeprägte Mangelerkrankungen treten in unserer Wohlstandsgesellschaft nur sehr selten auf, aber wir leben an unserer Grenze. Unsere Gewebespeicher sind teilweise entleert und dadurch können sämtliche Belastungssituationen einen Mangelzustand erzeugen. Das ist sehr gut bemerkbar durch Müdigkeit, Leistungsschwäche, Lustlosigkeit, Anfälligkeit gegenüber diversen Krankheitserregern. Dieses „ an der Grenze leben " verursacht mit seinem ununterbrochen auftretenden Nährstoffmangel kleine Schäden, wodurch über die Jahren hinaus bedrohliche, oft irreversible Veränderungen entstehen.

Der deutsche Normalverbraucher isst zwar mehr als ihm guttut, aber er bekommt nicht genug von lebensnotwendigen Nährstoffen. Vor allem (offiziöser Bericht von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung im Auftrag der Bundesregierung) mangelt es ihm an Kalzium, Magnesium, Eisen, Jod, Zink, Antioxidantien und den meisten Vitaminen von dem sogenannten Vitamin B-Komlex (das heisst: es fehlt praktisch alles).

Ziel der Orthomolekularen Medizin ist es, solche Defizite aufzudecken und für ein Ausgleich der Nährstoffbilanz zu sorgen. Der Mehrbedarf, der aus der Nahrung nicht ausreichend gedeckt werden kann, muss in Form von Vitalstoff- Präparaten ergänzt werden. Es gibt Tabellen von der D.G.E. (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) mit Mengenangaben für den täglichen Nährstoffbedarf. Die empfohlenen Dosierungen sind aber aus Mindestmengen errechnet, von Mengen die gerade mal typische Mangelkrankheiten wie zum Beispiel Skorbut als Folge von Vitamin C Mangel verhindern. Der tatsächliche Bedarf liegt in Wirklichkeit deutlich höher. Ein gutes Beispiel ist die D.G.E. Empfehlung für Vitamin C. Das ist für Jugendliche und Erwachsene 75 mg. Wenn man bedenkt, dass z.B. eine einzige Zigarette 25 bis 100 mg Vitamin C zersetzt, Stress und anderweitige Belastungen auch beachtliche Mengen dieses Vitamins verbrauchen, ist diese Empfehlung erstaunlich niedrig. In der Orthomolekularen Medizin werden regelmässig mindestens 1000 mg täglich empfohlen, und der tatsächliche Bedarf liegt zwischen 2000 und 5000 mg. Das gleiche gilt auch auf die anderen Empfehlungen von der D.G.E.

Um eine gute Gesundheit zu gewährleisten und zu erhalten sollte man täglich die folgenden Vitalstoffe regelmässig supplementieren (ergänzend zuführen): ein vernünftig - im Sinne der Orthomolekularen Medizin - dosiertes Funktionsmittel - Komplex (Vitamin B- und Mineralien - Spurenelementen - Komplex) um unser Enzymsystem und die Aufbau -, Regenerations- und energieversorgenden Funktionen zu unterstützen. Dazu gehört ein Schutzmechanismus (eine Radikalenfänger - Mischung und zusätzlich Vitamin C und E) um das Ergebnis der obengenannten Funktionsmittel zu schützen und die Lebensdauer der Zellen und Enzymen zu verlängern.

Das ist ein Grundkonzept, welches man in individuellen Fällen - wir sind alle ein bisschen anders - an dem persönlichen Bedarf anpassen kann, oder bei speziellen Fällen ...ergänzen muss. Das betrifft in erster Linie die schon bestehenden Störungen (ausgeprägte Krankheitsbilder wie z.B. überhöhte Cholesterinwerte, akute Infektionen, Allergien, Arthrosen, Durchblutungsstörungen oder auch Krebs), wo man in der Regel sehr hohe Mengen (sogenannte Megadosen) von Nährstoffen braucht um den Veränderungen entgegenzuwirken.

Mega-Dosierungen für spezielle Indikationen sollten möglicherweise nur nach fachkundiger Anweisung (Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker) angewendet werden.

Der Gebrauch von Vitalstoffpräparaten ist unbedenklich. Es handelt sich um natürliche Substanzen, welche Substanzen unserer Nahrung normalerweise enthalten sollten. Ängstlichkeit ist hier deshalb unnötig. Ermutigen Sie sich selbst auf die Bedürfnisse Ihres Körpers wieder hören zu lernen und selbst die Verantwortung für Ihre Gesundheit zu übernehmen. Denken Sie daran: Ihre Zellen sind gesund - Sie sind auch gesund; hungern Ihre Zellen - können Krankheiten entstehen. Der Umgang mit Vitalstoffen bietet ein wirklich faszinierendes Übungsfeld für eine aktive Gesundheitspflege.

 

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